Hormonersatztherapie: die tückische Falle
Täglich kommen Patientinnen mit Brustkrebs zu mir. Viele von ihnen haben nach der Menopause synthetische Hormone eingenommen. Sie waren stets davon überzeugt, dass das, was ihnen ihr Gynäkologe verschrieb ein gutes und erprobtes Medikament sei. Schließlich nahmen und nehmen Tausende von Frauen Hormonpillen. Aber dieses Vertrauen haben viele Frauen leider mit ihrer Gesundheit bezahlt. Von den 46 000 Brustkrebskranken, die wir pro Jahr in Deutschland registrieren, sind ca. 10 000 auf die langjährige Einnahme synthetischer Hormone zurück zuführen. In den letzten 10 Jahren wurden so durch synthetische Hormoneinnahmen ca. 100 000 Brustkrebsfälle mit verursacht. Eine Katastrophe, über die aber niemand spricht, denn schließlich geht es ja um viel Geld.
Die Arzneimittelkommission hat bereits 2003 zu diesem medizinischen Desaster Stellung genommen und vor der Einnahme von synthetischen Hormonen insbesondere Estradiol und synthetische Gestagenen (nicht zu verwechseln mit bioidentischem Progesteron) gewarnt. Sie hat dabei aber auch auf die Macht der Pharmafirmen hingewiesen, die sie über Wissenschaft und Fachgesellschaften haben und wie sehr sie Ärzte und Forschung manipulieren. Immer noch werden synthetische Hormone verschrieben, da das durch die synthetischen Hormone verursachte Desaster von der Pharmaindustrie und den von ihnen abhängigen Meinungsmachern verharmlost wird. Es ist bisher daher auch nur zu einer Reduktion des Umsatzes von 5% gekommen.
Vor mir liegt eine kürzlich erschienene Broschüre mit den schönen Titel: "Wechseljahre - na und? Wissenswertes über die Hormonersatz-Therapie". Auf der Broschüre lächelte eine gepflegte blonde Frau entspannt in die Kamera. In der Broschüre werden den Frauen straffe Haut, volles Haar, stabilen Knochen versprochen, Schutz vor Herzinfarkt, Krebs und Osteoporose und vor allem: Künftig keine Hitzewallungen, keine Depressionen. Auch vor Demenz sollen diese Wunderpillen schützen! Nichts oder wenig davon ist wahr, im Gegenteil. Diese Wunderpillen können gefährlich werden. Sie können Krebs auslösen und Krebs kann Leben kosten. Großangelegte US-Studien haben dies längst enthüllt.
Bei uns werden diese Fakten mit einer unglaublichen Hartnäckigkeit vertuscht und überspielt, weil die Pharmafirmen immer wieder Einfluss auf Meinungsbildner, Forschung und Publikationen nehmen. Aber nicht nur Krebs ist das Problem, sondern auch die Abhängigkeit vieler Patientinnen von den Pillen. Die Patientinnen befinden sich geradezu in einer Hormonfalle, weil man sie abhängig gemacht hat, wie bei einer Droge. Einmal Hormone, immer Hormone! Hier ein Beispiel aus meiner Praxis:
Eine 51- jährige Patientin hatte seit ihrer letzten Monatsblutung vor ca. 7 Jahren ohne Unterbrechung eine Hormonersatz-(HRT)-Therapie erhalten. Sie hatte nun von den möglichen Gefahren gehört, nicht zuletzt auch deshalb, weil eine ihrer Freundinnen an Brustkrebs erkrankt war. Meine Patientin hatte daher beschlossen, die Pille abzusetzen. Als sie mich besuchte, war das 6 Wochen her. "Ich bin ein komplettes Nervenbündel, ich halte es nicht mehr aus, mir ist schwindelig, ich bin missmutig, ich vergesse einfach alles, habe wieder Hitzewallungen, Schlafstörungen und keinen Spaß am Sex." Sie war verzweifelt. Ich helfe ihr jetzt mit Phytoöstrogenen, bioidentischen Progesteron und Neurotransmittern.
Ich möchte hier noch einmal zusammenfassen, was mir wichtig ist, damit Sie verstehen, um was es geht. Es ist
- eine falsche Darstellung, wenn behauptet wird, die Hormonersatz-Therapie schütze vor Krebserkrankungen
- eine falsche Darstellung, wenn behauptet wird, die Hormonersatz-Therapie schütze vor Herzinfarkt und Schlaganfall
- eine falsche Darstellung, wenn behauptet wird, die Hormonersatz-Therapie sei dringend nötig, um einen Hormonmangel während der Wechseljahre auszugleichen
- eine falsche Darstellung, wenn behauptet wird, die Sicherheit und Wirksamkeit der Hormonersatz-Therapie sei in Studien erwiesen
- eine falsche Darstellung, wenn behauptet wird, eine Hormonersatz-Therapie schütze vor Alzheimer
Die bittere Wahrheit ist, dass alles ganz anders aussieht. Lesen hierzu auch meinen in der Zeitschrift "Raum und Zeit" erschienen Artikel "Jenseits der Heilung". Wie viele Frauenleben die Hormonersatz-Therapie bereits gefordert hat und noch fordern wird, kann sicher nicht Bestimmtheit gesagt werden, aber es sind viel zu viele und es muss Schluss gemacht werden damit. Weil Profit und Profitmache nicht mit dem Leben von arglosen Menschen bezahlt werden darf.
Es gibt noch ein anderes Thema aus demselben Bereich, über das man kritisch nachdenken sollte und welches wir auf dem Krebskongress der Deutschen Gesellschaft für Onkologie DGO in Baden-Baden 2006 schon mehrfach erörtert haben. Es geht um die Mammographie, die ja staatlich sanktioniert ist und nun flächendeckend eingeführt werden soll. Es wird mit folgenden Slogans dafür geworben: "Das gute Gefühl, vorgesorgt zu haben!" Eine Informationsbroschüre hierzu zeigt zwei lächelnde Frauen im Gespräch, eine von ihnen trägt einen weißen Arztkittel, sie legt der anderen Frau freundschaftlich die Hand auf den Arm - und lügt ihr dennoch mitten ins Gesicht!
Denn Mammografie schützt Frauen nicht davor, Brustkrebs zu bekommen. Auch senkt sie, wie wir von Frau Prof. Mühlhauser in Hamburg lernen durften, nicht das Risiko, an Brustkrebs zu sterben. Zudem ist die Mammografie nicht völlig ungefährlich, wie immer behauptet wird.
Seitdem das Mammographie-Screening in den einzelnen Bundesländern eingeführt wurde, kommen immer mehr und mehr Frauen in unsere Sprechstunde, um sich eine zweite Meinung einzuholen. Widersprüchliche Informationen und Panikmache in den Medien haben ihr Ziel erreicht: die Frauen sind verunsichert. Und das macht sie zu leichten Opfern. Fakt ist, dass infolge des Mammographie-Screenings 100.000 Frauen pro Jahr einen unklaren Befund haben und völlig unnötig operiert werden, weil sich herausstellt, das nix war. Andere Frauen werden wegen eines unklaren Befundes über einen viel zu langen Zeitraum in Angst und Panik versetzt werden. Hiervor sollten Sie sich schützen.






