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Biologische Therapieverfahren

Die ergänzenden biologischen Therapieverfahren haben die Aufgaben einerseits die Nebenwirkungen und immunsuppressiven Folgen von tumor-destruktiven Therapien, wie Operation, Strahlen- oder Chemotherapie, zu mildern und den Körper andererseits auf eine aktive Abwehr gegen Krebszellen, aber auch Viren und Bakterien, vorzubereiten.

In der Klinik St. Georg werden v.a. folgende Therapieverfahren angewandt:

Misteltherapie
Bei der Misteltherapie wird der aus der ganzen Mistel gewonnene Presssaft oder eine wässrige Extraktion gespritzt. Das darin enthaltene Mistellektin aktiviert die Abwehr und stärkt das Immunsystem, wodurch das Wachstum der Krebszellen eingeschränkt wird. Es ist das am häufigsten angewandte ergänzende Mittel in der Nachbehandlung. Heute ist die Anwendung von Mistelextrakt eine weit verbreitete Form der so genannten unkonventionellen Tumortherapie. Von den insgesamt etwa 1300 bekannten Mistelarten und -formen findet nur Viscum album in Europa arzneiliche Verwendung. Forschungen über die Wirksamkeit bestimmter Inhaltsstoffe der Mistel - die Mistellektine - haben zu Einführung von Präparaten mit definiertem Mistellektingehalt geführt.

Thymustherapie
Unter der Thymustherapie versteht man die Behandlung mit Wirkstoffen aus der Thymusdrüse (Stimulation mit Thymushormonen). Die Thymusdrüse ist ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems zur Abwehr von Krankheiten. Die Thymusdrüse sitzt hinter dem Brustbein. Bereits von Geburt an wird durch die Thymusdrüse unser lebensnotwendigen Immunsystem trainiert. Von der Geschlechtsreife an bildet sich jedoch die Thymusdrüse langsam zurück. Entsprechend sinkt die Abwehrkraft unseres Organismus. Bei der Thymustherapie, die zu den Organotherapien (Therapien mit Mitteln aus tierischen Organen, Zellen oder Mikroorganismen, die die Selbstheilungskräfte ankurbeln) gehört, werden Peptide aus der Thymusdrüse junger Kälber gespritzt, um die Abwehr zu stärken. Diese Thymuspeptide sind Botenstoffe des Immunsystems.

Endogene Fiebertherapie
Fieber fördert die Heilung und nach Überstehen der Krankheit ist die Immunkraft gestärkt. In der endogenen Fiebertherapie oder auch aktiven Hyperthermie wird je nach Diagnose und individueller Fieberfähigkeit der Soll-Wert durch Fiebermittel (Pyrogene) erhöht. Diese Fiebermittel können inaktivierte Gram-positive (Streptokokkus pyogenes) und Gram-negative Bakterien (Serra tia marcescens), das Coley-Toxin (VaccineurinR), Zytokine (körpereigene Botenstoffe), Interferone (koordinieren Abwehr gegen Viren), wie auch fermentierte Mistelpräparate sein.

Enzymtherapie
Enzyme sind in der lebenden Zelle gebildete organische Verbindung, die als Katalysator die Stoffwechselvorgänge im Organismus entscheidend beeinflussen. Bezüglich der Strahlentherapie und der positiven Wirkung von Enzymen ist bekannt, dass strahlenbedingte Entzündungen schneller abklingen und der so genannte Strahlenkater vermindert wird. Enzyme interagieren mit dem Immunsystem, sie regulieren Immunkomplexe, demaskieren Tumorzellantigene, Übelkeit und Brechreiz werden beispielsweiseüübei Chemotherapien vermindert, Entzündungen und Schwellungen bei der Bestrahlung reduziert. Insgesamt trägt eine systematische Enzymtherapie deutlich zur Hebung der Lebensqualität bei.

Immuntherapie
Neben den drei Säulen der Onkologie (Chirurgie, Strahl- und Chemotherapie) spielt zunehmend die Immuntherapie zur Aktivierung des geschwächten Immunsystems und zur Verbesserung der oft erheblich eingeschränkten Lebensqualität des Krebspatienten eine entscheidende Rolle. Eine neue Modalität der Krebsbehandlung, bei der das Immunsystem des Patienten mit einbezogen und aktiviert wird, ist die Behandlung mit Tumorvaccinen. Hier geht es um Impfstoffe gegen die Tumorzellen, deren Ausbreitung somit verhindert werden soll. Diese dendritischen Zellen sind in der Lage, Fremdstoffe (Antigene) aufzunehmen und den körpereigenen Immunzellen, den Lymphozyten, zu präsentieren. Die so aktivierten Lymphozyten können dann Eindringlinge im Körper effektiv beseitigen. Es handelt sich um ein Immuntherapieverfahren, bei dem Tumorvakzine zur aktiven Immunisierung von Krebspatienten eingesetzt werden. Eine derartige ASI-Immuntherapie (Aktiv-spezifische Immuntherapie) wird normalerweise bei Patienten nach Operation des lokal wachsenden Tumors durchgeführt, um ein Risiko, die Entwicklung von Metastasen, zu reduzieren.

Insulinpotenzierte Therapien (IPT)
Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, wird in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse produziert und reguliert den Zuckerhaushalt. Das Tumorgewebe bzw. Tumorzellen können nur Zucker für die Energiegewinnung nutzen, alle anderen Stoffe werden den normalen Zellen entzogen. Tumorzellen haben daher auch einen höheren Besatz mit Insulinrezeptoren , das bedeutet, wenn der Blutzuckerspiegel steigt und Insulin ausgeworfen wird, werden die Tumorzellen bevorzugt mit Zucker versorgt. Während Zucker in die Zellen geschleust wird, können auch andere Stoffe z.B. Zytostatika bevorzugt in die Tumorzellen gelangen. Dies wird bei der IPT ausgenutzt. Nach Gabe von Alt-Insulin an einem Tumorpatient senkt sich sein Blutzucker binnen weniger Minuten ab und wird in die Tumorzellen geschleust, dahergelangen die gleichzeitig verabreichten Zytostatika vermehrt und spezifisch in die Krebszellen. Auf diese Art und Weise kann man höhere Ansprechraten erzielen, bei deutlich verminderten Nebenwirkungen. Auch eine bestehende Resistenz gegen Zytostatika kann so überwunden werden.



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